Forschung hautnah: Dr. oec. Johannes Schwarzer

Dr. Johannes Schwarzer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wachstum und Verteilung (520H). Er arbeitet unter anderem zur ökonomischen Ideengeschichte der Phillipskurve. Schwarzer hat in Hohenheim studiert und 2016 bei Prof. Hagemann ebenfalls in Hohenheim promoviert. Seine Arbeit fand jüngst international Aufmerksamkeit und wurde von der American Economic Association als Research Highlight ausgewählt. Johannes Klenk traf Johannes Schwarzer und sprach mit ihm über seine Arbeit zu Geldstabilität und Arbeitslosigkeit.

Johannes Klenk: Was ist Ihr Forschungsthema? Worum geht es in Ihren Untersuchungen?

Johannes Schwarzer: Meine Forschung befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Dieser Zusammenhang ist in der wissenschaftlichen Diskussion unter dem Fachbegriff „Phillipskurve“ bekannt und spielt eine wichtige Rolle in makroökonomischen Modellen und in der Wirtschafts- bzw. Geldpolitik. Insbesondere konzentriere ich mich in meiner Forschung auf theoretische Fragestellungen und untersuche, wie sich unser Verständnis und Denken über diesen Zusammenhang über die Zeit geändert hat.

Klenk: Was motiviert Sie an der Thematik? Was finden Sie persönlich besonders spannend an Ihrem Thema?

Schwarzer: Die Phillipskurve ist aus zwei Gründen für mich interessant: Zum einen lässt sich die Entwicklung der modernen Makroökonomik anhand der Diskussion der Phillipskurve verfolgen. Somit ermöglicht mir der Fokus auf diesen Zusammenhang, die bedeutendsten Werke prominenter Ökonomen, welche oftmals mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, zu analysieren. Meine Forschung folgt den entscheidenden Entwicklungen innerhalb der Makroökonomik, was sowohl aus theoretischer als auch praktischer Sicht sehr spannend ist. Aus praktischer Sicht deshalb – und hier wären wir nun beim zweiten Grund – da die verschiedenen Konzepte bzw. Interpretationen der Phillipskurve einen unmittelbaren Einfluss darauf haben, was von der Wirtschafts- bzw. Geldpolitik damals und heute erwartet bzw. wie diese letztlich umgesetzt wird.

Klenk: Worin besteht die gesellschaftliche Relevanz des Forschungsprojekts bzw. der Ergebnisse?

Schwarzer: Geringe Inflation und Arbeitslosigkeit gehören aus ökonomischer Sicht nach wie vor zu den wichtigsten gesellschaftlichen Zielen. So war in Europa die sehr hohe Arbeitslosigkeit im Zuge der Finanzkrise ein großes Problem, insbesondere da sie viele junge Menschen traf. Andererseits wachsen gerade in den USA aufgrund der sehr niedrigen Arbeitslosenquote wieder die Inflationssorgen. Damit verbunden ist die Befürchtung, dass die amerikanische Zentralbank den Leitzins schneller als erwartet anheben könnte und hierdurch die wirtschaftliche Erholung ausbremsen könnte. Es ist also von enormer gesellschaftlicher Bedeutung, den Zusammenhang zwischen diesen beiden wirtschaftspolitischen Zielen zu erforschen. Meine stark theoriegeschichtlich ausgerichtete Forschung trägt auf diesem allgemein breiten Forschungsfeld dazu bei, die Hintergründe der verschiedenen Denkrichtungen zu beleuchten und somit ein besseres Verständnis davon zu haben, worüber genau wir eigentlich reden und warum wir über das Thema aktuell so denken wie wir denken. Meine Herangehensweise an diese Thematik ist daher sozusagen Teil der Grundlagenforschung der Makroökonomik und der hieraus abgeleiteten Wirtschaftspolitik.

Klenk: Danke für die interessanten Einblicke und alles Gute für Ihre berufliche Zukunft!

Kontakt

  • Lehrstuhl für Wachstum und Verteilung

 

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